Klausurtagung Iberostar Cala Millor Park 2004 (06.-15.10.2004)

 

Um die Ereignisse der letzten Wochen und Monate in aller Ruhe aufarbeiten zu können und Ziele für die mittel- und langfristige Entwicklung des Fanclubs zu definieren, zog sich der engste Vorstandskreis für ein paar Tage ins beschauliche Mallorca zurück. Selbstverständlich wurde diese Reise zum großen Teil aus Schwarzgeld der Fanclubkasse finanziert, dafür vorab herzlichen Dank J!

Die Anreise erfolgte relativ unspektakulär. Natürlich sorgte mein grauer Lederkoffer (wohl der einzige im gesamten Flughafengelände ohne Rollen) für einiges Aufsehen. Ebenso rechneten wir natürlich mit liebreizenden Kindern in unmittelbarer Sitznachbarschaft. Die Befürchtung wurde bestätigt, selbige Plagen turnten schon auf unseren Plätzen beim Einstieg ins Flugzeug. Sympathisch und zuvorkommend, wir man uns nunmal kennt, bestanden wir nicht auf unsere Plätze sondern nahmen die gegenüberliegenden ein.

Noch hätte es mein erster pünktlicher Abflug in meiner Flugvita werden können...bis unser Kapitän (dessen Name ich leider nicht notiert habe) uns mitteilte, dass sich ein Passagier trotz Einchecken für das Daheimbleiben entschieden hat und aus Sicherheitsgründen natürlich sein Gepäck auch wieder ausgeladen werden müsse. Dieses befand sich natürlich bei dem zuerst eingeladenen Gepäck, was durch heftige aus dem Gepäckraum stammende Geräusche bestätigt wurde.

In Mallorca empfingen uns 25 Grad und Sonnenschein, der uns für die nächsten Tage zum ständigen Begleiter werden sollte. Das Hotel erweckte einen sehr guten Eindruck, bis wir gleich bei der ersten Benutzung im Aufzug steckenblieben. Konsequenterweise mieden wir diesen für den Restaufenthalt. Im Appartement (Präsidenten-Suite) begrüssten uns dann auch einige Ameisen allerdings in noch spärlicher Anzahl. Ihre Kolonie auf unserem Kühlschrank gründeten sie erst einige Tage später, nachdem Alex Muffins der Marke „Magdalena“ zum Anlocken ausgelegt hatte.

Was nun schon nach Absteige klingt erwies sich jedoch als Top-Hotel, Service und besonders Essen waren hervorragend. Natürlich macht es sich besonders beim Service sicher auch bemerkbar, dass sich wohl rumgesprochen hatte, dass man hier niemand geringeren als Präsident und Vizepräsident des BVB-Fanclubs „Fulda goes BVB“ vor sich hatte.

Um auch physisch für die Belastungen einer Saison top vorbereitet zu sein, machte ich mich auf zu einem kleinen Lauf entlang der Promenade, natürlich unter dem tosenden Applaus einiger Schaulustiger, die bereits von unserer Ankunft erfahren hatten. Trotz anderweitiger Ankündigungen verweigerte Alex diesen Lauf, übrigens genau wie an 8 von 9 weiteren Tagen aber immerhin mit wechselnden Ausreden.

Der Lauf entlang der Promenade bestätigte schon das, was sich im Flugzeug angekündigt hat. Mallorca ist im Oktober, sagen wir es ruhig deutlich, ein Altersheim. Mit Ausnahmen tummeln sich hier entweder Familien oder Rentner. Da wir aber nicht zum Vergnügen sondern zum Arbeiten auf die Insel gereist sind, kam uns dies natürlich sehr entgegen.

Das Abendessen war, wie bereits erwähnt, sehr feudal, was selbst den sonst mit so geringem Appetit ausgestatteten Alex dazu bewog pro Mahlzeit ca. 3-10mal die verschiedenen Köstlichkeiten zu testen. Natürlich fand sich an diesem wie auch an den folgenden Abenden immer mal wieder ein jugendlicher Autogrammjäger am Tisch ein, der von uns natürlich freundlich weggeschickt wurde.

Hier beende ich die genaue chronologische Ordnung des Klausurtagungsberichts, da sich die Folgetage auf gewisse wiederkehrende, leicht modifizierbare Tätigkeiten reduzierten. Als wichtigste sind hierbei essen, schlafen, am Strand liegen und am Pool liegen zu nennen. Immer mal eingeschoben ein kleiner Besuch beim Spar um die Ecke, um insbesondere die Getränkevorräte aufzustocken.

Einige Highlights sollten jedoch noch Erwähnung finden. Da wäre zum einen der Sonnenschirm des roten Barons (ab dem ersten Strandtag Synonym für Alex). Die farbliche Veränderung von schneeweiß zu dunkelrot nach dem ersten Sonnenbad machte auch schmerztechnisch ein Schutz der Körperpartien notwendig. Neben dem Kauf eines Sonnenblockers mit Schutzfaktor 20, von dem ich ihn glücklicherweise überzeugen konnte, sollte ein Sonnenschirm zukünftig am Strand Schutz bieten. Der nach unserem Empfinden trendigste wurde ausgewählt und in Rentnermanier zum Strand mitgeschleppt. Bereits an diesem Tag hätten wir für Gepäck (bestehend aus Tigerente, Beachball, Musikanlage, diversen BVB-Strandtüchern, Strandmatten, Getränken und nun auch Sonnenschirm) einen Muli gebraucht. Die nächste Stunde war Alex damit beschäftigt, den Schirm sonnengerecht und windsicher aufzustellen, was sich als große Herausforderung herausstellte. Somit war dies auch der erste und letzte Einsatz des 8,00 € Sonnenschirms, der vermutlich noch heute auf dem Gepäckband des Frankfurter Flughafens seine Runden dreht.

Zu Erwähnen sei auch, dass meine Wenigkeit im Gegensatz zum roten Baron die sportliche Herausforderung angenommen hat und jeden morgen noch vor dem Frühstück die Promenade entlang gejoggt ist. Begegnet sind mir dabei Scharen von betagteren Damen, die sich des Walkings oder in gesteigerter Form des Nordic Walkings verschrieben haben. Walking heisst nichts anderes als Spazierengehen, allerdings in sportlichem Outfit, angewinkelten Armen und angestrengtem Gesichtsausdruck. Beim Nordic Walking benutzt man dazu noch Gehstöcke und kommt sich auch auf dem Strand überhaupt gar nicht blöd damit vor.

Neben den Ameisen hatte wir als weitere Haustiere Stechmücken. In der ersten Nacht, in der wir uns der Problematik noch nicht bewusst waren, fanden sich so ca. 15-20 der kleinen Biester an unserer Zimmerdecke ein. Nach intensiver Jagd wurde diese Zahl allerdings drastisch reduziert. Das Alex sich nicht an dieser Jagd beteiligte dankten sie ihm mit zahlreichen Stichen, so dass er aussah als hätte er die Beulenpest.

Natürlich gab es in unserem Spitzenhotel auch Spitzenanimation. Dieses war allerdings den Umständen entsprechend eher dem ältern Publikum angepasst. Wir zumindest fühlten uns vom Bingo-Spiel mittags um drei nicht angezogen. Da das Abendprogramm mit den Showacts, die durchaus attraktiven Animateurinnen auch teilweise leicht bekleidet zeigte, ließen wir uns hier dann doch mal blicken. Trotz zahlreicher Versuche wurden wir jedoch nicht in den Mini-Club aufgenommen, der auch von den blonden Animateurinnen gestaltet wurde. Als Höhepunkt war jeden Abend Kinderdisco mit Smiley (irgendein vermutlich richtig wärmendes Hundekostüm, in das sich ein bedauernswerter Animateur schmeissen musste). Unglücklich war, dass diese im Nebenraum des Speisesaals stattfand und wir aufgrund der Verzehrgeschwindigkeit von Alex - Insider wissen was ich meine – immer an dieser teilhaben mussten. Jeden abend die selben dämlichen Lieder mit der Superextended Version von „Veo veo“!

Eine bereits vor geraumer Zeit erfolgte Reise an den gleichen Ort brachte mir die Erinnerung an einen Fußballpub, in dem ich seinerzeit Ex-Bundesligaschiedsrichter Heynemann getroffen hatte. Dieses Pub war dann einige Abende unser Ziel. Da wir uns ja sozusagen auf Dienstreise befanden, scheuten wir uns auch nicht davor, die englische Amateurliga in grandiosen Livespielen nach Talenten zu durchforsten. Der Wirt, seines Zeichens Gunners-Fan, machte das beste aus der geringen Gästezahl und sorgte wohl selbst für den meisten Umsatz. Allerdings bestens informiert über jede europäische Liga (ca. 6-8 Dekoder standen da) und mit großem Insiderwissen.

So vergingen die Tage der Klausurtagung, an denen wir jedoch durchaus auch aktiv waren. Die auf den Fotos abgebildeten Motive erreichten wir alle zu Fuß ohne technische Hilfsmittel. Und auch Beachball haben wir am Strand gespielt. Hier allerdings habe ich dann jegliche Hoffnung, doch noch einen sportlichen Funken in Alex zu finden, zu Grabe getragen. Naja, beim Rülpswettbewerb auf dem Balkon hat er die Nachbarschaft erschreckt, vielleicht zählt das ja? Nein, sowas ekliges haben wir natürlich nicht gemacht! Wir haben als Fußballfans, und als solche haben wir uns durch die Beflaggung am Balkon natürlich zu erkennen gegeben, einen Ruf zu verlieren.

Schließlich wurde die Luft wieder aus der Tigerente rausgelassen. Diese sollte genau wie der Sonnenschirm natürlich die Heimreise mit antreten. Die Tigerente hat´s gepackt...

Da der Flieger erst um 00:30 Uhr in Frankfurt landete, wollte man natürlich keinen Freunden oder Verwandten das Abholen zu einer solchen Uhrzeit zumuten. Deswegen wurde Michael beauftragt, der auch pünktlich da war, im Gegensatz zum Gepäck. Letztendlich waren wir um ca. 03:00 Uhr daheim und man konnte noch ca. 3 ½ Stunden Schlaf verbuchen, bevor es am nächsten Tag zum Auswärtsspiel nach Stuttgart ging.

Ralfonso Langgutez

& der rote Baron